Wie oft sitzen Menschen in einem Meeting und nicken zustimmend, obwohl sie einen Begriff oder eine Abkürzung gar nicht
verstanden haben? Wahrscheinlich passiert das häufiger, als wir denken.
Der Grund ist einfach: Niemand möchte den Eindruck erwecken, uninformiert oder fachlich nicht kompetent zu sein.
Die Sorge, von Kolleginnen und Kollegen oder sogar von der eigenen Führungskraft als „unwissend“ wahrgenommen zu werden, ist groß.
Deshalb bleiben viele Fragen unausgesprochen und genau das führt oft zu Missverständnissen, Fehlern oder Unsicherheiten.
Dabei sollte es eigentlich selbstverständlich sein, nachzufragen.
Wer Fragen stellt, zeigt Interesse und den Wunsch, Dinge richtig zu verstehen.
Das ist keine Schwäche, sondern eine wichtige Voraussetzung für gute Zusammenarbeit.
Gerade Führungskräfte spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Sie schaffen den Rahmen dafür, ob Mitarbeitende den Mut haben, Fragen zu stellen oder doch lieber schweigen.
Eine gute Führungskraft macht von Anfang an deutlich, dass niemand alles wissen muss und dass
Nachfragen ausdrücklich erwünscht sind. Sie erklärt Fachbegriffe und Abkürzungen, anstatt vorauszusetzen, dass jeder sie kennt. Sie formuliert
Erwartungen klar und verständlich und sorgt damit für Orientierung.
Ebenso wichtig ist es, aufmerksam zuzuhören und auf Unsicherheiten zu achten. Nicht jeder spricht sie offen an. Manche Mitarbeitende
brauchen eine Einladung, Fragen stellen zu dürfen, ohne Sorge vor negativen Bewertungen haben zu müssen.
Wer als Führungskraft verständnisvoll reagiert, schafft Vertrauen.
Und Vertrauen ist die Grundlage für Lernen und Entwicklung.
Nicht jeder bringt die gleichen Erfahrungen oder denselben Wissensstand mit. Das ist völlig normal. Gute Führung erkennt, wo
Unterstützung gebraucht wird, und versteht es als ihre Aufgabe, Wissen zu vermitteln, statt Wissenslücken zu bewerten.
Ich bin überzeugt: Wenn Menschen keine Angst haben müssen, Fragen zu stellen, arbeiten sie selbstbewusster und
sicherer. Davon profitiert nicht nur jeder Einzelne, sondern das ganze Team. Gleichzeitig lassen sich viele Missverständnisse vermeiden, die nur entstehen, weil Dinge unterschiedlich
verstanden wurden.
Am Ende gilt: Die größte Wissenslücke entsteht nicht dadurch, dass man etwas nicht weiß,
sondern dadurch, dass man sich nicht traut zu fragen.
Meine Bitte an Führungskräfte:
- Schaffen Sie ein Umfeld, in dem Fragen willkommen sind.
- Erklären Sie Begriffe, fördern Sie den offenen Austausch und geben Sie Ihren Mitarbeitenden die Sicherheit, dass niemand an einer Frage gemessen wird.
Denn gute Führung bedeutet nicht, Menschen für das zu bewerten, was sie noch nicht wissen, sondern sie dabei zu unterstützen,
dazuzulernen.
Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Kindersendung „Sesamstraße“
und das bekannte Lied:
„Der, die, das
Wer, wie, was
Wieso, weshalb, warum
Wer nicht fragt, bleibt dumm!“
Eigentlich haben wir diese wichtige Botschaft schon als Kinder gelernt: Wer fragt, kann lernen.
Warum fällt es uns dann im Berufsalltag manchmal so schwer?
Fragen zu stellen bedeutet nicht, unwissend zu sein.
Fragen zu stellen bedeutet, verstehen zu wollen.
Und genau das sollte in jedem Unternehmen möglich sein.

Kommentar schreiben